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Seit nun schon zwei Jahren entscheiden die Ministerien in Sri Lanka über unser Projekt. Im Sommer 2005 wurden wir durch das Finanzministerium überprüft und registriert. Im November 2005 folgte dann die Registrierung unseres Kinderhilfsprojektes durch das Sozialministerium.
Manchmal ist die Bürokratie in Sri Lanka zum Verzweifeln.
So hat mir vor ein paar Wochen Amaratunga gesagt, dass er mal wieder beim Jugendamt vorgesprochen hat. Dort hat aber zwischenzeitlich der zuständige Beamte gewechselt und dem Neuen lägen unsere Unterlagen zur Genehmigung überhaupt nicht vor. Also habe ich wieder den gesamten Schriftverkehr der vergangenen Jahre in Kopie dorthin weitergeleitet.
Ein Problem ist noch die Anlage eines Spielplatzes auf unserem großen Grundstück gegenüber den beiden Häusern. Dieses Gelände wurde bisher landwirtschaftlich als ein Reisfeld genutzt. Für einen Spielplatz muss es mit Erde aufgefüllt werden. Dazu brauchen wir die Genehmigung durch das Landwirtschaftsministerium. Die bekommen wir aber erst, wenn wir als Kinderheim registriert sind. Das Jugendamt macht seine Zustimmung aber auch noch davon abhängig, dass wir zuvor noch einen Spielplatz anlegen.
Als ich im Januar 2006 beim Jugendamt war, hatte mir der damalige Beamte zugesichert, dass wir nach der Fertigstellung des zweiten Gebäudes die Registrierung in nur einer Woche erhalten werden. Ja, so ist nun mal Sri Lanka. Es grenzt schon an ein kleines Wunder, dass wir trotz aller Schwierigkeiten solch einen Fortschritt nachweisen können.
Im Februar habe ich von Vinitha einen langen Brief erhalten. Ich bin sehr dankbar dafür, da ich in den kurzen Telefongesprächen nur wenige Informationen von ihr bekommen kann. Diesen langen Brief hat sie in Singhalesisch geschrieben. Nur so war es ihr möglich ohne Übersetzungsprobleme zu schreiben. Glücklicherweise wohnt in Pirmasens eine liebe Freundin aus Sri Lanka, die mir bei der Übersetzung ins Deutsche geholfen hat.
Vinitha schreibt:
"Ich bedanke mich bei allen, die dieses Haus ermöglicht haben. Es ist eine gute Tat. Diese Kinder brauchen unser Haus". Sie beschreibt in ihrem Brief die Freude in den Augen der Kinder, als sie unsere kleinen Geschenke ausgepackt haben, die wir ihnen zu Weihnachten nach Sri Lanka geschickt hatten. Ganz besonders hätten sich unsere beiden Neuen, Nishanthi und Sajeth, darüber gefreut. Vinitha denkt, dass es das erste Mal in ihrem Leben war, dass diese beiden Kinder ein Geschenk bekommen haben. Sajeth ist 12 Jahre alt und lebt
seit Oktober 2006 bei uns. Seine Mutter ist früh gestorben. Sein Vater liegt mit Krebs im Krankenhaus.
Die Ärzte sagen, dass er nicht mehr lange leben wird.
Wegen seiner Krankheit konnte er nicht arbeiten und sich auch nicht um seinen Sohn kümmern. In staatlichen Krankenhäusern in Sri Lanka ist die Behandlung und der Aufenthalt kostenlos. Sajeth lebte bei Verwandten. Diese ließen den Jungen jahrelang für sich arbeiten, deshalb waren sie auch nicht daran interessiert, dass er zur Schule ging. Er wurde als billige Arbeitskraft ausgenutzt. Sein todkranker Vater hat den Jungen zu uns gebracht und ist unbeschreiblich glücklich darüber, dass wir Sajeth bei uns aufgenommen haben. Jetzt weiß er, dass sein Junge zur Schule gehen kann und bei uns in guten Händen ist, wenn er nicht mehr lebt.
Bei der 10 jährigen Nishanthi war alles noch viel schlimmer. Nachdem ihr Vater gestorben war, hatte ihre Mutter wieder geheiratet. Auch sie durfte nicht zur Schule gehen. Der Stiefvater wollte die Ausgaben für Kleidung und Schulsachen für das Mädchen nicht zahlen. Auch sie wurde als billige Arbeitskraft und zur Beaufsichtigung der kleineren Schwester ausgenutzt. Damit nicht genug, als Dank dafür wurde sie auch noch geschlagen. Ganz besonders schlimm war es, wenn der Stiefvater betrunken nach Hause kam und gewalttätig wurde. Wenn sie Glück hatte, konnte sie ihm entkommen und sich in der armseligen Hütte verstecken.
Ihre Mutter hat dann von unserem Haus gehört und allen Mut zusammen genommen und Nishanthi voriges Jahr im Juli zu uns gebracht. Vinitha schreibt in ihrem Brief, dass Nishanthi weder schreiben noch lesen konnte, nicht einmal die Buchstaben und Zahlen kannte sie. Sie wusste nicht wie man sich die Zähne putzt, nicht wie man sich kämmt und anständig isst.
Sie war total verwahrlost, als sie im Juli 2006 zu uns kam. Als Vinitha ihr ein selbst genähtes, neues Kleid anprobieren wollte, war sie entsetzt, als sie die vielen Narben auf Nishanthis Rücken sah, die die brutalen Schläge des Stiefvaters hinterlassen haben. Welche Qualen musste dieses Kind ertragen?
Zum ersten Mal seit Jahren konnte sie bei uns nachts ohne Angst schlafen.
Vinitha hat Nishanthi dann in der Schule angemeldet. Die Lehrerin zeigte jedoch kein großes Interesse, das Kind in der Schule aufzunehmen. Ihrem Alter entsprechend müsste sie eigentlich in der 5. Klasse eingestuft werden, sie hatte aber nur die Schulkenntnisse einer Schulanfängerin. Vinitha musste der Lehrerin hoch und heilig versprechen, dass sie Nishanthi daheim Nachhilfe gibt, damit das Kind in der Schule mitkommt.
Im Januar war Vinitha bei einem Elternsprechtag in der Schule. Sofort sei die Lehrerin auf sie zugekommen und voller Begeisterung über Nishanthis Fortschritt in der Schule berichtet. Sie konnte es fast nicht glauben, dass sie innerhalb nur 6 Monaten lesen und schreiben gelernt hatte und auch sonst sehr gut mit den anderen mithalten konnte.
Kürzlich wurden bei einem Test an dieser Schule die cleversten Schüler ermittelt. Sie werden es nicht glauben, unsere Nishanthi war eine der beiden besten von insgesamt 40 Schülern. So hat sich doch Vinithas unendliche Mühe und Nishanthis Ehrgeiz ausgezahlt.
Vinitha schreibt: "Eure gute Tat wird Euch gedankt werden. Nishanthi ist wie eine Blume aufgeblüht. Sie ist so schick und legt jetzt viel Wert auf ihr Äußeres.
Ich freue mich sehr, dass ich diesen Kindern helfen kann".
Sie schreibt über ihre täglichen Bemühungen, unsere Kinder zu verantwortungsbewussten Menschen zu erziehen. Immer ist sie für die kleinen und großen Sorgen der Kinder da. Manchmal muss sie auch tadeln, wenn sie zum Beispiel erfahren muss, dass sich unsere große Nadika überheblich gegenüber ihren Mitschülern zeigt, da unsere Kinder mit dem Tuk-Tuk zur Schule gefahren werden, wenn die meisten anderen Kinder aus dem Dorf auf staubigen Wegen zur Schule laufen müssen. Wir müssen sehr aufpassen, dass unsere Kinder nicht von einem Extrem ins nächste fallen. Nitha und ihre vier Kinder lebten auch schon vor dem Tsunami in sehr, sehr armen Verhältnissen, genauso wie die beiden anderen Kinder. Zuerst wurden sie gemieden, da sie nicht standesgemäß waren, heute werden sie beneidet, da sie in einem so schönen Haus ohne finanzielle Not leben dürfen.
Sie schreibt weiter: "Wir müssen die Kinder von klein an richtig erziehen, damit sie später, wenn sie unser Haus verlassen, verantwortungsbewusste Menschen sind. Ich bin 24 Stunden am Tag mit diesen Kindern zusammen, später muss ich die Konsequenzen tragen".
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